Fallrohr-Rechner
Fallrohre dimensionieren nach Dachfläche, Neigung und Regenspende auf Basis von DIN EN 12056-3 — runde und eckige Profile in Zink, Kupfer und Aluminium.
Fallrohr-Rechner
Was dieser Rechner macht
Dieser Rechner dimensioniert die vertikalen Fallrohre, die Wasser von der Dachrinne zum Boden, zum Mischwasserkanal oder zur Versickerung führen. Er nimmt Dachfläche, Neigung, Regenspende sowie Form und Abmessungen des Fallrohrs und sagt Ihnen, wie viele Fallrohre Sie brauchen und welcher Spitzenabfluss durch das System fließt.
Die Fallrohrbemessung ist eine separate Berechnung von der Dachrinnendimensionierung: Eine 7-teilige halbrunde Rinne, die für ein großes Einfamilienhaus dimensioniert wurde, braucht trotzdem die richtigen Fallrohre darunter, sonst gibt es Überlauf am Hochpunkt der Rinne während eines starken Sommerregens.
So nutzen Sie den Rechner
- Geben Sie die projizierte Dachfläche in m² ein. Grundrissfläche, nicht die Dachschräge — bei einem einfachen Satteldach Länge × Breite. Bei Walmdächern und komplexen Geometrien Summe der projizierten Flächen je Dachfläche.
- Stellen Sie den Neigungsfaktor ein. Standard ist 1,10 (etwa 35° Neigung, der typische deutsche Wohnhaus-Standard). Verwenden Sie 1,00 für Flachdach, 1,05 für sehr flache Neigung (15–20°), 1,20 für 40–50° Neigung, 1,30 für steile Alpen-Neigung 60°+.
- Geben Sie die Regenspende in mm/h ein. Standard ist 75 mm/h — entspricht etwa 300 l/(s·ha) Bemessungsregenspende für die meisten deutschen Großstädte. KOSTRA-2020 des DWD gibt die ortsspezifische 5-Minuten 1-in-5 Jahre Regenspende: 200 l/(s·ha) für Hamburg, 300 für Berlin / München / Köln, 350 für Stuttgart, 400+ für Starkregenhotspots in Bayern und BW.
- Wählen Sie Form und Abmessungen. Rund DN 80 / DN 100 / DN 120 ist Standard für Zink, Kupfer und Aluminium. Eckig (z.B. 80 × 80 mm) ist üblich bei Reihenhäusern und Mehrfamilienhäusern.
- Lesen Sie das Ergebnis. Die große Zahl ist die mindestens nötige Fallrohranzahl.
Die DIN EN 12056-3 Faustregel
Die Faustregel lautet: 1 cm² Fallrohrquerschnitt entwässert 1 m² wirksamer Dachfläche bei der deutschen Bemessungsregenspende von 300 l/(s·ha) (≈ 75 mm/h). Für Starkregen-Hotspots in Bayern und Baden-Württemberg, wo KOSTRA-Werte 400+ l/(s·ha) erreichen, halbieren Sie die Faustregel — 1 cm² entwässert 0,5 m².
Für gewerbliche Bauten und mehrgeschossige Wohnbauten ist die vollständige DIN EN 12056-3 Berechnung nach Landesbauordnung verpflichtend.
Übliche deutsche Fallrohrgrößen und Kapazitäten
| Größe | Querschnitt | Entwässert bis (300 l/(s·ha)) |
|---|---|---|
| DN 80 rund Zink | 50 cm² | 50 m² |
| DN 100 rund Zink | 78 cm² | 78 m² |
| DN 120 rund Zink | 113 cm² | 113 m² |
| DN 80 rund Kupfer | 50 cm² | 50 m² |
| DN 100 rund Kupfer | 78 cm² | 78 m² |
| 80 × 80 mm eckig | 64 cm² | 64 m² |
| 100 × 100 mm eckig | 100 cm² | 100 m² |
| 100 × 80 mm rechteckig | 80 cm² | 80 m² |
Paarung Fallrohr zu Dachrinne
ZVDH-Fachregel und DIN EN 612 Standardpaarungen:
- 6-teilige halbrunde Rinne (333 mm Zuschnitt) mit Fallrohr DN 80 — entwässert bis 50 m² je Rohr.
- 7-teilige halbrunde Rinne (400 mm Zuschnitt) mit Fallrohr DN 100 — entwässert bis 78 m² je Rohr.
- 8-teilige halbrunde Rinne (500 mm Zuschnitt) mit Fallrohr DN 120 — entwässert bis 113 m² je Rohr.
- Kastenrinne mit Fallrohr DN 100 oder DN 120 je nach Geometrie — typisch für moderne Architektur und Bauhaus-Inspiration.
- Halbrunde Kupferrinne mit Fallrohr DN 80 oder DN 100 in Kupfer — Standard für Denkmalschutz und hochwertige Wohnbauten.
Wann Sie eine Stufe größer wählen sollten
Querschnitt vergrößern oder Fallrohrzahl erhöhen, wenn folgendes zutrifft:
- Konzentrierte Dachkehlen. Eine Dachkehle führt das Wasser zweier Dachflächen in eine kurze Rinnenstrecke — plazieren Sie ein Fallrohr direkt unter dem Kehlende.
- Lange einseitig fallende Rinnen. Über 12 m einseitig fallende Rinne sieht der Hochpunkt während Starkregen Standwasser, weil das nächste Fallrohr zu weit weg ist.
- Steile Neigungen über 45°. Der Windregen-Faktor steigt überproportional über 45° — Neigungsfaktor 1,20 bis 1,30 anwenden.
- Starkregen-Hotspots. Bayerischer Voralpenraum, südlicher Schwarzwald, Erzgebirge, Höhenlagen über 600 m — KOSTRA-Werte 400+ l/(s·ha) verwenden.
- Stehfalz-Metalldach oder glasierte Tondachziegel. Diese leiten den Niederschlag schneller ab als unglasierte Ziegel oder Bitumenschindeln, was die Spitzenabflussspitze erhöht. Schlagen Sie 10–15 % auf den berechneten Spitzenabfluss auf.
- Dachgaube oder Loggia. Eine Gaubenseitenfläche, die in die Hauptdachrinne entwässert, konzentriert den Abfluss nahe der Gaubenecke — entweder ein dediziertes Eckfallrohr installieren oder die Hauptrinne eine Stufe größer wählen.
Entwässerung — Optionen in Deutschland
Drei Hauptoptionen je nach gemeindlicher Satzung:
- Mischwasserkanal. Standard in Altbau-Innenstädten. Höhere Niederschlagsgebühr nach gespaltener Abwassergebühr.
- Trennsystem-Regenwasserkanal. Standard in Neubaugebieten seit 1990. Niedrigere Niederschlagsgebühr.
- Versickerung auf dem eigenen Grundstück. Nach DWA-A 138 dimensioniert: Mulden-Rigolen, Sickerschächte oder Sickermulden. Vorgezogen nach Landeswassergesetzen (NRW § 51a LWG, BW LWG §§ 7a und 8). Reduziert die Niederschlagsgebühr deutlich (in NRW Erstattung von 50–80 % der Niederschlagsgebühr für nachweislich versickerte Flächen).
- Direkteinleitung in einen Vorfluter. Genehmigungspflichtig nach WHG § 8 — selten für Wohngebäude genehmigt. Nur für gewerbliche Bauten mit Vorbehandlung üblich.
- Regenwassernutzungsanlage. Trinkwasserersatz für WC-Spülung und Gartenbewässerung; Anlagengröße typisch 3.000–5.000 l für Einfamilienhaus. KfW 270 und BAFA-Fördermöglichkeiten teils verfügbar.
Häufige Sonderfälle
Zweigeschossiges Haus ohne Obergeschoss-Dachrinne. Kombinierte obere und untere Dachfläche für die Fallrohrzahl der Untergeschoss-Rinne berechnen. Bessere Lösung: kleine Obergeschoss-Dachrinne mit Fallrohrübergangsteil in die Untergeschoss-Rinne.
Reihenhaus-Brandwand. Die Brandwand-Trennung verhindert eine durchgehende Dachrinne — jedes Reihenhaus braucht eigene Fallrohre. Bei kombinierter Sammelrinne im Hofbereich ist eine Brandschott-Manschette nach DIN 4102 / EN 13501 erforderlich.
Denkmalschutz / Kupferdach. Kupfer rund DN 80 oder DN 100 ist die typische Originalspezifikation. Materialgleicher Austausch ist Pflicht — eckige Profile und Kunststoff werden vom Denkmalschutzamt regelmäßig abgelehnt. Hersteller: Kupfer Frank, Rheinzink (PrePatina) für Zink, Wienerberger Prefabricated.
KfW 55 / 40 / Effizienzhaus 55 Luftdichtheit. Das luftdichte Detail an der Traufe (Q4 ≤ 0,6 m³/h·m²) ist mit dem Fallrohr-Auslauf zu koordinieren — Pro Clima TESCON Vana / SIGA Wigluv Klebebänder werden über die Tropfblech-Falz unter das Fallrohr geführt. Aluminium-Fallrohre sind hier leichter zu detailieren als Zink.
Referenzstandards (Deutschland)
- DIN EN 12056-3:2001 — Schwerkraftentwässerung innerhalb von Gebäuden Teil 3: Dachentwässerung.
- DIN EN 12056-1:2001 — Schwerkraftentwässerung innerhalb von Gebäuden Teil 1: Allgemeine Anforderungen.
- DIN EN 612 — Dachrinnen und Regenfallrohre aus Metallblech.
- DIN 1986-100 — Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke (deutsche nationale Ergänzung zu DIN EN 12056).
- ZVDH-Fachregel “Außenliegende Entwässerung” — Stand 2024, Praxisnorm des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks.
- MBO § 51 — Musterbauordnung Anforderungen an Niederschlagsentwässerung.
- Landesbauordnungen — z.B. BauO NRW, BayBO, LBO BW, BauO Hbg, etc.
- DWA-Arbeitsblatt A 138 — Versickerungsanlagen für Niederschlagswasser.
- WHG § 8 — Wasserhaushaltsgesetz Direkteinleitungsgenehmigung.
- DWD KOSTRA-2020 — Koordinierte Starkregenregionalisierung des Deutschen Wetterdienstes.
- GEG 2024 — Gebäudeenergiegesetz (relevant für luftdichtheitsverträgliche Traufdetails an KfW-EH und Effizienzhäusern).
Verwandte Rechner
- Dachrinnen-Bemessung — Auswahl der Rinnengröße nach Dachfläche.
- Dachrinnen-Gefälle — richtiges Gefälle einstellen.
- Dachrinnen-Installationskosten — Installationskosten je laufenden Meter.
Quellen: DIN EN 12056-3:2001 Schwerkraftentwässerung; DIN 1986-100 nationale Ergänzung; DIN EN 612 Dachrinnen und Regenfallrohre; ZVDH-Fachregel “Außenliegende Entwässerung” 2024; MBO § 51 und Landesbauordnungen; DWA-Arbeitsblatt A 138 Versickerung; DWD KOSTRA-2020 Starkregenkarte; GEG 2024; Hersteller-Installationsanleitungen Rheinzink / Kupfer Frank / Klöber / Braas / Bauder / Wienerberger.