Dachneigung Rechner
Kostenloser Dachneigungsrechner. Umrechnen zwischen Neigungswinkel in Grad, Steigung und Sparrenlänge. Sparren- und Flächenfaktor für genaue Materialberechnung nach Fachregeln des ZVDH.
Roof Pitch Calculator
So nutzen Sie den Dachneigungsrechner
Der Rechner bietet drei Eingabemodi für die Werte, die Sie auf der Baustelle haben:
- Aus Höhe und Lauflänge — die übliche Methode bei der Aufmaßaufnahme im Dachstuhl, mit Wasserwaage und Maßband
- Aus dem Winkel in Grad — wenn Sie die Neigung bereits aus den Bauplänen, einem digitalen Neigungsmesser oder einer Smartphone-App haben
- Aus Sparrenlänge und Höhe — bei vorhandener Schnittzeichnung oder einem fertig zugeschnittenen Sparren
Der Rechner gibt drei Werte zurück:
- Steigung als X/12 — das amerikanische Format, gelegentlich auf importierter Software zu sehen
- Winkel in Grad — der deutsche Standard, der auf Bauplänen, in DIN-Normen und in den Fachregeln des ZVDH verwendet wird
- Flächenfaktor (Dachflächenfaktor) — multiplizieren Sie die Grundrissfläche mit diesem Wert, um die tatsächliche Dachfläche für Ziegel-, Unterdach- und Dämmstoffmengen zu erhalten
Warum die Dachneigung wichtig ist
Die Dachneigung bestimmt nahezu jede weitere Entscheidung beim Dachaufbau:
- Materialwahl — Tondachziegel ab 22 Grad bis 30 Grad Regeldachneigung, Schiefer ab 25 Grad, Faserzement ab 18 Grad, Bitumenschindeln ab 17 Grad. Unter 10 Grad sind Flachdachabdichtungen vorgeschrieben
- Schneelastauslegung — DIN EN 1991-1-3 und der Nationale Anhang setzen Schneelastzonen 1 bis 3 mit Geländehöhenkorrektur. Steilere Dächer reduzieren die Schneelast durch Selbstabrutschen
- Windsogsicherung — DIN EN 1991-1-4 fordert je nach Windzone und Geländekategorie Sturmklammern für Dachziegel, Befestigungsschemata für Schiefer und Klipp-Befestigung für Stehfalz. Die Schemata variieren mit der Neigung
- Begehbarkeit — bis etwa 33 Grad sind Dächer mit Trittbohlen begehbar; ab 45 Grad sind Dachfanggerüste oder PSAgA nach DGUV Vorschrift 38 vorgeschrieben
- Dachentwässerung — Rinnenneigung und Fallrohrdimensionierung nach DIN 1986-100 hängen vom Spitzenabfluss ab, der wiederum von der Grundrissfläche bestimmt wird
Übliche Dachneigungen in Deutschland
Deutsche Wohnhäuser haben sich auf wenige typische Neigungsbereiche eingependelt, geprägt durch Ziegelmindestneigungen, Bauträgerstandards und Bebauungspläne:
| Dachform | Übliche Neigung | Übliche Materialien |
|---|---|---|
| Flachdach | 0° bis 5° | Bitumen, EPDM, PVC-Folie, Bekiesung |
| Pultdach modern | 5° bis 20° | Stehfalz, Aluminium, Faserzement |
| Niedrige Wohnneigung | 20° bis 25° | Betondachsteine, niedrigneigungs-Tondachziegel |
| Standard-Satteldach | 30° bis 45° | Tondachziegel, Betondachstein, Schiefer |
| Steile Wohnneigung | 45° bis 55° | Tondachziegel, Schiefer, Tonschindel |
| Mansarddach | 60° bis 75° | Schiefer, Schindel, Stehfalz |
Ein typisches Reihenhaus aus den 1990er Jahren hat 38 bis 42 Grad. Moderne Bauträger-Einfamilienhäuser tendieren zu 30 Grad als Kompromiss zwischen Höhe und Wohnraum unterm Dach. Im Süden (Bayern, Baden-Württemberg) sind höhere Neigungen üblich, im Norden (Schleswig-Holstein, Hamburg) auch 22 bis 28 Grad mit Flachpfanne.
Die Formeln
Neigung aus Höhe und Lauflänge:
Steigung = Höhe ÷ Lauflänge
Winkel (Grad) = arctan(Höhe ÷ Lauflänge)
Steigung in Prozent = (Höhe ÷ Lauflänge) × 100
Neigung aus dem Winkel:
Steigung = tan(Winkel)
Höhe pro Meter Lauflänge = tan(Winkel) × 1000 mm
Flächenfaktor für die Eindeckungsfläche:
Flächenfaktor = 1 ÷ cos(Winkel)
= √(1 + Steigung²)
Rechenbeispiel — Reihenhaus mit 8 m × 10 m Grundriss und 38 Grad Dachneigung:
Grundrissfläche = 80 m²
Flächenfaktor bei 38° = 1,269
Tatsächliche Dachfläche = 80 × 1,269 = 101,5 m²
Mit 8 % Verschnitt für Tondachziegel = 109,6 m²
Referenztabelle Dachneigung Deutschland
| Grad | Steigung | Prozent | Flächenfaktor | Typische Anwendung |
|---|---|---|---|---|
| 5° | 0,087 | 8,7 % | 1,004 | Pultdach, Stehfalz |
| 10° | 0,176 | 17,6 % | 1,015 | Stehfalzdach, Niedrigneigung |
| 15° | 0,268 | 26,8 % | 1,035 | Faserzementplatten |
| 18° | 0,325 | 32,5 % | 1,051 | Bitumenschindel-Mindestneigung |
| 22° | 0,404 | 40,4 % | 1,079 | Betondachstein-Regelneigung |
| 25° | 0,466 | 46,6 % | 1,103 | Schiefer (deutsche Deckung) |
| 30° | 0,577 | 57,7 % | 1,155 | Tondachziegel-Regelneigung |
| 35° | 0,700 | 70,0 % | 1,221 | Modernes Einfamilienhaus |
| 38° | 0,781 | 78,1 % | 1,269 | Reihenhausstandard |
| 45° | 1,000 | 100,0 % | 1,414 | Steiles Satteldach |
| 60° | 1,732 | 173,2 % | 2,000 | Mansardunterteil |
Aufmaß-Methode
In Deutschland erfolgt die Aufmaßaufnahme meist im Dachgeschoss, weil äußerer Zugang ohne Gerüst nach DGUV-Regeln nicht zulässig ist:
- Einstieg in den Dachstuhl durch die Dachluke. Vorsicht bei Mineralwolldämmung und Sparrenanker
- Sauberen Sparren auswählen, abseits von Querstreben und Pfetten
- Wasserwaage 1 m waagerecht an die Sparrenunterseite halten, Libelle mittig
- Höhenabstand messen vom Ende der Wasserwaage zum Sparren, in Millimetern
- In den Rechner eintragen — Höhe (Abstand) und Lauflänge (1000 mm)
- An einem zweiten Sparren der gegenüberliegenden Dachseite wiederholen. Altbauten haben oft asymmetrische Neigungen durch Setzungen oder spätere Umbauten
Bei vorhandener Außenfassade kann ein Smartphone-Neigungsmesser direkt auf der Ziegelfläche angesetzt werden — drei Messungen mitteln, weil einzelne Ziegel rollen können.
Dachneigung und Bauvorschriften
Die deutsche Dachneigung ist in mehreren Regelwerken verankert:
- Fachregeln des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) — Regeldachneigung pro Eindeckungsmaterial
- DIN EN 1991-1-3 Schneelasten — Bemessungsschneelast und Geländekorrekturen
- DIN EN 1991-1-4 Windlasten — Windsogsicherung und Befestigungsschemata
- DIN 18531 (Flachdach), DIN 18532 (Industrieflachdach), DIN 18299 — Abdichtungsregeln
- Landesbauordnungen — Bebauungspläne können Dachneigung als Festsetzung vorschreiben
Bei Unterschreitung der Regeldachneigung sind nach ZVDH-Fachregel zusätzliche Maßnahmen erforderlich — regensicheres Unterdach, wasserdichtes Unterdach oder Nahtabdichtung. Diese Anforderungen müssen vom Dachdeckermeister in den Werkvertrag aufgenommen werden, sonst entfällt die Mängelhaftung.
Verwandte Rechner
- Dachfläche Rechner — Grundriss in echte Dachfläche umrechnen
- Mansarddach Rechner — für Doppelneigungsdächer
- Dachmaterial Rechner — komplette Mengenermittlung mit Unterdach, Lattung und Firstziegeln
Quellen: Fachregeln des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH); DIN EN 1991-1-3 Schneelasten; DIN EN 1991-1-4 Windlasten; DIN 18531 Abdichtung von Dächern; Verbraucherzentrale Bauberatung; technische Datenblätter Erlus, Braas, Creaton.