Mansarddach- und Gambrel-Rechner
Berechnen Sie die geneigte Dachfläche eines Mansard- bzw. Gambrel-Dachs. Zwei Dachneigungen, ZVDH-Fachregeln, DIN 1991-1-3 Schneelast, Materialkosten in EUR/m² für 2026.
Gambrel Roof Calculator
A gambrel roof has two pitches per side: a steep lower pitch and a shallow upper pitch. Common on barns and farmhouse-style homes.
Was dieser Rechner liefert
Dieser Mansarddach- und Gambrel-Rechner nimmt Gebäudelänge, Gebäudebreite, Knickhöhe und die beiden Neigungen entgegen und gibt aus:
- Die horizontale Auskragung des unteren steilen Schenkels in Metern
- Die horizontale Auskragung des oberen flachen Schenkels in Metern
- Die geneigte Dachfläche pro Schenkel, beide Seiten zusammengezählt
- Gesamtdachfläche in m² und Dachquadrate (1 Quadrat = 9,29 m²)
- Materialbedarf inklusive Verschnitt
Alle Eingaben und Ausgaben sind metrisch. Deutsche Dachdecker arbeiten mit Grad und Millimetern; der Rechner akzeptiert Neigungen in Grad und zeigt zur Information auch den X/12-Wert an.
Schritt 1 — Grundriss vermessen
Messen Sie zur Traufkante und zur Ortgangkante, nicht zur Außenwand. Deutsche Dachüberstände betragen bei Wohngebäuden typischerweise 400–600 mm an der Traufe und 150–250 mm am Ortgang. Bei einem L-förmigen Grundriss jedes Rechteck einzeln behandeln und die m²-Werte addieren.
Bei einer Sanierung eines historischen landwirtschaftlichen Gebäudes (zum Beispiel norddeutsche Hofgebäude oder ein altes Mansarddach in der Stadt) sollten Sie nicht annehmen, dass die Giebelwände rechtwinklig sind. Beide Diagonalen messen. Ein Schiefstand von 1% auf 12 m bedeutet 30 mm zusätzliche Ortgangzulage und ein Dutzend Zusatzschnitte beim Einrichten der Pfannen — günstig, wenn man es vor der Materialbestellung weiß.
Schritt 2 — Knickhöhe festlegen
Knickhöhe = vertikaler Abstand von der Traufe bis zum Knick zwischen unterem steilen und oberem flachen Schenkel. Bei einem Wohnmansarddach mit nutzbarem Dachgeschoss üblicherweise 1,8–2,4 m — der Knick liegt dann oberhalb der Kopfhöhe innen, was vollständige Raumhöhe in den Dachzimmern ergibt.
Bei einer landwirtschaftlichen Holländerscheune kann die Knickhöhe 3 m oder mehr betragen. Höherer Knick = mehr Steilfläche = mehr Material, aber mehr nutzbares Innenvolumen.
Schritt 3 — Neigungen wählen
Übliche deutsche Paarungen:
- 60° unten / 22° oben — klassisches zweiseitiges Mansarddach mit Frankfurter Pfanne
- 65° unten / 25° oben — gängig auf historischen Stadtmansarden
- 55° unten / 28° oben — etwas einfacher zu bearbeiten, geringerer Lohnzuschlag
- 70° unten / 18° oben — extreme Form, oben nur Faserzement-Wellplatten oder Stehfalz möglich
Die ZVDH-Fachregeln “Geneigte Dächer” Stand 2025 setzen die Mindest- und Regeldachneigungen je Deckwerkstoff fest. Bei Frankfurter Pfanne ist die Regeldachneigung 22°, die Mindestneigung mit erhöhten Maßnahmen (Unterspannbahn USB-A) 16°. Bei Biberschwanz Doppeldeckung 30° / mit erhöhten Maßnahmen 22°.
Schritt 4 — Auskragungen berechnen
untere_auskragung = knickhoehe ÷ tan(untere_neigung_grad)
obere_auskragung = (gebaeudebreite ÷ 2) − untere_auskragung
Beispiel: 12 m × 9 m Mansarddach, Knickhöhe 2,2 m, Paar 60°/22°.
untere_auskragung = 2,2 ÷ tan(60°) = 2,2 ÷ 1,732 = 1,270 m
obere_auskragung = 4,5 − 1,270 = 3,230 m
Schritt 5 — Dachflächen
Verlängerungsfaktor = 1 ÷ cos(neigung):
unterer_faktor = 1 ÷ cos(60°) = 2,000
oberer_faktor = 1 ÷ cos(22°) = 1,079
untere_flaeche_beide_seiten = 2 × unterer_faktor × untere_auskragung × laenge
obere_flaeche_beide_seiten = 2 × oberer_faktor × obere_auskragung × laenge
gesamt = unten + oben
Beispiel mit 12 m Länge:
untere_flaeche = 2 × 2,000 × 1,270 × 12 = 60,96 m²
obere_flaeche = 2 × 1,079 × 3,230 × 12 = 83,64 m²
gesamt = 144,6 m²
Das sind ca. 33% mehr Dachfläche als das gleiche Gebäude unter einem 22°-Satteldach (108 m²).
Schritt 6 — Verschnittzuschlag
ZVDH-Verschnittwerte 2026 für deutsche Sanierungspraxis:
- 6–8% bei Frankfurter Pfanne und Tegalit auf einem Mansarddach — das Anschlussblech am Knick erhöht die Schnittzahl
- 10–12% bei Biberschwanz-Doppeldeckung — der oberste Bibergang am Knick ist verschnittintensiv
- 12–15% bei Naturschiefer — Schiefer kann nicht nachgeschnitten werden, der Steilbereich erhöht den Bruch
- 5–6% bei Stehfalzdach Zink oder Aluminium
Beispiel bei 8% Verschnitt: 144,6 × 1,08 = 156,2 m² zu bestellen.
Schritt 7 — Materialien und Preise 2026
| Eindeckung | Quelle | Lieferpreis EUR/m² 2026 | Hinweise |
|---|---|---|---|
| Frankfurter Pfanne (Braas, Creaton) | ZVDH-Liste | 18–32 | Standard, 22° Regelneigung |
| Tegalit-Glattziegel (Braas) | ZVDH-Liste | 28–48 | Hochwertige Optik |
| Biberschwanz Doppeldeckung (Erlus) | Erlus 2026 | 35–58 | 30° Mindestneigung |
| Naturschiefer Spaniol (Rathscheck) | Rathscheck | 65–115 | Heritage / Schwarzwald |
| Stehfalz Zink 0,7 mm (Rheinzink) | Rheinzink | 78–125 | Neutral, 40+ Jahre |
Quelle: ZVDH-Marktübersicht 2026, Braas/BMI, Creaton, Erlus, Rathscheck und Rheinzink Listenpreise 2026, Daa.net und MyHammer Bietdaten 2026.
Der Knickbereich zwischen den beiden Neigungen braucht ein durchgehendes Anschlussblech — typischerweise eine 400 mm breite Titanzink-Schürze, an die untere Eindeckung genagelt und unter die obere geschoben. Pro lfm Gebäude kalkulieren Sie 0,5 m² Blech plus 12% Überlappungszuschlag.
Schritt 8 — Anforderungen aus Bauordnung und EnEV/GEG
Eine Mansarddach-Sanierung in Deutschland ist eine “wesentliche Bauteilveränderung” nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) 2024. Auslöser:
- U-Wert-Anforderung GEG §47 — bei Sanierung von mehr als 10% der Dachfläche darf der U-Wert nicht über 0,20 W/(m²K) liegen. Praktisch bedeutet das ca. 200 mm Aufsparrendämmung WLG 035 oder 240 mm Zwischensparrendämmung. Auf einem Mansarddach den Knickbereich besonders sorgfältig dämmen — die Wärmebrücke am Knick ist die häufigste Bauschadenursache.
- DIN 4108-3 Tauwasserschutz — vor allem im Sommer-Kondenswasserschutz auf der Aufsparrendämmung wichtig. Diffusionsoffene Unterspannbahn (sd < 0,5 m) verwenden.
- Schneelast-Nachweis DIN EN 1991-1-3/NA — siehe FAQ. Den oberen Schenkel auf die volle Schneelast zone-spezifisch dimensionieren.
- Brandschutz nach LBO — in Bayern, Baden-Württemberg und NRW gelten unterschiedliche Anforderungen für die Brandschutzklasse der Eindeckung. Frankfurter Pfanne und Tegalit sind A1 (nicht brennbar), Naturschiefer ebenfalls — alle ohne Einschränkung verwendbar.
Schritt 9 — Spezielle Risiken am Mansarddach
Windsog am oberen flachen Schenkel. Bei 22° Neigung in Windzone WZ III oder WZ IV (Nord- und Ostseeküste) wird jede Pfanne einzeln befestigt, sonst saugt der Sturm die Eindeckung ab. ZVDH-Verklammerungsregel beachten.
Begehbarkeit des steilen unteren Schenkels. Über 60° ist nur die Begehung mit Dachhaken und Dachdeckerstuhl möglich, plus Dachfangstellung am Traufseil. Die Berufsgenossenschaft prüft bei Schadensfällen die Dokumentation.
Schneeansammlung am Knick. Schnee rutscht vom oberen flachen Schenkel ab und sammelt sich am Knick, bevor er weiter über den steilen unteren rutscht. Schneefanggitter am Knick verhindern das plötzliche Abrutschen auf Personen unter der Traufe — als Standard auf Wohngebäuden mit Mansarddach spezifizieren.
Dachrinne dimensionieren. Wasser aus beiden Schenkeln läuft in dieselbe Traufrinne. Nach DIN EN 12056-3 mit der Regenspende für die jeweilige Region (DWD-Daten) die Rinne dimensionieren — viele Bauherren unterschätzen den Querschnitt und überfluten die Traufe bei Starkregen.
Komplettrechnung — 12 × 9 m Mansarddach 60°/22°
Geneigte Dachflaeche = 144,6 m²
Mit 8% Verschnitt = 156,2 m²
Frankfurter Pfanne 10/m² = 1.562 Stueck × 1,80 EUR = 2.812 EUR
Konterlattung 24×48 mm = 270 m × 0,80 EUR = 216 EUR
Lattung 30×50 mm = 480 m × 0,90 EUR = 432 EUR
Unterspannbahn USB-A = 156 m² × 4,50 EUR = 702 EUR
Firstziegel 12 m = 12 × 12,50 EUR = 150 EUR
Ortgangziegel 24 m = 24 × 8,50 EUR = 204 EUR
Knickanschlussblech 12 m = 0,5 m² × 12 m × 65 EUR = 390 EUR
Schneefangsystem Knick = 12 m × 28 EUR = 336 EUR
Geruest 4 Wochen = 1.800 EUR
Entsorgung Container = 650 EUR
Material und Geruest ≈ 7.690 EUR
Eingebaut Preisbereich = 220–320 EUR/m² × 144,6 m²
= 31.810 – 46.270 EUR komplett
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Quellen: DIN EN 1991-1-3 Schneelast und nationaler Anhang DIN EN 1991-1-3/NA; ZVDH-Fachregeln “Geneigte Dächer” Stand 2025; Gebäudeenergiegesetz GEG 2024; DIN 4108-3 Klimabedingter Feuchteschutz; DIN EN 12056-3 Schwerkraftentwässerung; DGUV Information 201-056 Dacharbeiten; TRBS 2121 Gefährdungen von Personen durch Absturz; ZVDH-Marktübersicht 2026; Braas, Creaton, Erlus, Rathscheck und Rheinzink Listenpreise 2026; Daa.net und MyHammer Bietdaten 2026.